Paul SCHRADER
* 22.07.1946, Grand Rapids, Michigan, USA

Regisseur, Drehbuchautor * wächst in Michigan in einer konservativen calvinistischen Gemeinde auf * (bis 1968) Studium der Theologie am Calvin College in Grand Rapids * nimmt an Sommerkursen (Film) an der Columbia University in New York teil * 1968 geht als Filmstudent nach Los Angeles an die Film School der University of California (1970 M.A.) * schreibt Filmkritiken für u.a. Los Angeles Free Press, Film Quarterly und Film Comment * fungiert auch als Herausgeber von Cinema * ab Mitte der 70er Jahre macht sich einen Namen als Drehbuchautor (The Yakuza, 1974; Taxi Driver, 1975) und arbeitet manchmal mit seinem Bruder Leonard zusammen (Blue Collar, 1977; Old Boyfriends, 1978; Mishima, 1984) * 1977 Debüt als Filmregisseur (Blue Collar) - verbucht seinen ersten großen Erfolg mit American Gigolo (1979) * Vertreter des New Hollywood Cinema ("Schrader was a big part of the American film renaissance of the 1970s - which produced films that challenged and provoked, although they sometimes failed to find an audience..." Library Journal) * ab 1987 verlegt sich mehr und mehr auf Verfilmung von Literaturwerken * 2004 veröffentlicht das Bühnenstück The Cleopatra Club * 2007 Jury-Präsident der 57. Internationalen Filmfestspiele in Berlin * verheiratet mit Mary Beth Hurt (2. Ehefrau, seit 1983)
Schrader wurde 1946 in Grand Rapids, Michigan, geboren. Er wurde streng kalvinistisch erzogen. Deshalb sah er seinen ersten Film erst in späten Teenagerjahren. Sein Interesse am Film geht zurück auf den Besuch des Calvin College in Grand Rapids - eine geisteswissenschaftlich orientierte Bildungsanstalt, wo er anfing, für ein kleines lokales Kino das Filmprogramm zusammenzustellen, obwohl er sich zu diesem Zeitpunkt noch mit der Absicht trug, Priester zu werden. Durch einen Freund lernte er die Kritikerin Pauline Kael kennen, die zu ihm sagte: "Du willst doch kein Priester werden - du willst ein Filmkritiker sein." Nach dem Abschluss des College im Jahr 1968 besuchte er die UCLA Film School und wurde schon bald Kritiker der L.A. Free Press, wo er gefeuert wurde, weil er Easy Rider (1969) verriss. Schrader wurde Redakteur des "Cinema Magazine". Sein Thesenpapier über Ozu, Bresson und Dreyer wurde unter dem Titel "Transcendental Style in Film" von der University of California Press verlegt. Nach dem Abschluss der UCLA wurde er Mitglied des American Film Institute. In dieser Zeit fand Schrader wichtige Mentoren: die Regisseure Jean Renoir und Roberto Rossellini sowie den Architekten/Designer Charles Eames, der ihn nach eigener Aussage am meisten geprägt hat: "Eames hat mir beigebracht, dass es eine visuelle Logik im Leben gibt und dass ein Poet oder besser: ein Poet von Ideen keine Sprache benutzen muss." Schrader schrieb sein erstes Drehbuch, Pipeliner, über einen jungen Mann, der herausfindet, dass er nicht mehr lang zu leben hat und deshalb nach Hause zurückkehrt, um bei einer Ölpipeline mitzuarbeiten. Dann folgte eine Zeit der Isolation, die Schrader zu dem Drehbuch zu Taxi Driver (1976) inspirierte, das er binnen zehn Tagen niederschrieb. Bald darauf erhielt er einen Brief seines Bruders Leonard, der in Kyoto lebte. Dort hatte er zahlreiche japanische Gangsterfilme gesehen. Gemeinsam verfassten die Brüder das Skript zu The Yakuza (1974), für das ihnen die damalige Rekordsumme von 325.000 Dollar bezahlt wurde. Der Film wurde von Sydney Pollack mit Robert Mitchum und Ken Takakura in den Hauptrollen inszeniert. Schrader schloss sich danach mit Martin Scorsese zusammen, um mit ihm an Taxi Driver zu arbeiten. Der Klassiker wurde für vier Oscars nominiert und gewann die Goldene Palme in Cannes. 1977 gab Paul Schrader mit Blue Collar ein beeindruckendes Regiedebüt, in dem Harvey Keitel, Richard Pryor und Yaphet Kotto zu sehen sind, die als Detroiter Arbeiter in der Autoindustrie die Gehaltskasse ihrer eigenen Gewerkschaft ausräumen wollen. Darauf folgten Hardcore (1979) mit George C. Scott als aufrichtigem Bürger, der nach seiner Tochter sucht, die in die Mühlen der Pornoszene geraten ist, und American Gigolo (1980) mit Richard Gere als männlichem Prostituierten in einem gnadenlos durchgestylten Los Angeles. Schraders erstes Projekt, das nicht auf eigenen Ideen basierte, war Cat People (1982) mit Nastassja Kinski - ein Remake des atmosphärischen Horrorklassikers von Val Lewton. Einer von Schraders eigenen Lieblingsfilmen ist Mishima: A Life in Four Chapters (1985) über den legendären japanischen Autor Yukio Mishima. Light of Day (1987) mit Michael J. Fox und Joan Jett handelte von einem Mädchen vom Land, das trotz des Widerstands der Mutter ihr Glück als Rock-'n'-Roll-Musikerin versucht. Patty Hearst (1988) mit Natasha Richardson erzählt die authentische Geschichte der von der Symbionese Liberation Army entführten Millionenerbin. Darauf folgte der erotische Thriller The Comfort of Strangers (1989) nach einem Roman von Ian McEwan über ein von Natasha Richardson und Rupert Everett dargestelltes britisches Paar, das in Venedig die Freundschaft eines reichen Venezianers und seiner Frau, gespielt von Christopher Walken und Helen Mirren, schließt. Willem Dafoe spielt in Light Sleeper (1991) einen Drogenkurier in einer Lebenskrise. Danach drehte Schrader mit Witch Hunt (1994) mit Dennis Hopper sein erstes TV-Movie, ein ungewöhnliches Projekt, in dem Schrader Krimi, Magie und den Schauplatz Hollywood verbindet. Mit Touch (1997) wagte der Regisseur die nächste Romanverfilmung: In der Geschichte nach Elmore Leonard geht es um einen von Skeet Ulrich gespielten Wunderheiler und einen zum Prediger bekehrten Wohnwagenverkäufer (Christopher Walken), der die Kräfte des Wunderheilers für seine Zwecke ausnutzen will. Einer der größten Triumphe in Paul Schraders Karriere folgte im gleichen Jahr mit Affliction (1997) nach dem Roman von Russell Banks. Ein Sheriff mit schweren privaten Problemen verfolgt in einer kleinen Stadt in New Hampshire einen mysteriösen Jagdunfall, während um ihn herum Dinge geschehen, die ihn langsam wahnsinnig werden lassen. Nick Nolte und James Coburn wurden für einen Oscar vorgeschlagen, Coburn gewann den Preis als bester Nebendarsteller. Im Anschluss drehte Schrader Forever Mine (1999), eine Geschichte über Liebe, Betrug und Rache mit Joseph Fiennes, Ray Liotta und Gretchen Mol. Als Drehbuchautor konnte Schrader auch dann noch große Erfolge vorweisen, als er bereits als Regisseur reüssiert hatte. Vor allem seine Arbeiten für Martin Scorsese - Raging Bull (1980), The Last Temptation of Christ (1988) und Bringing Out the Dead (1999) - sorgten für Aufsehen. Außerdem schrieb er noch Obsession (1976) für Brian De Palma, Rolling Thunder (1977) für John Flynn, Old Boyfriends (1979) für Joan Tewkesbury, The Mosquito Coast (1986) für Peter Weir und City Hall (1996) für Harold Becker. 1999 erhielt Paul Schrader von der Writers Guild of America einen Laurel Award für seine Leistungen als Drehbuchautor. Außerdem wurde er fünfmal für Independent Spirit Awards nominiert: für Light Sleeper (Drehbuch), Touch (Regie, Drehbuch) und Affliction (Regie, Drehbuch). [ARTE, April 2004]
FILMS
# Blue Collar (Blue Collar, 1977-USA) 110/4m-Sozialthriller (7802)
# Hardcore (Hardcore - Ein Vater sieht rot, 1978-USA) 108m-Krimidrama
# American Gigolo (Ein Mann für gewisse Stunden, 1979-USA; R+B: PS, K: John Bailey, M: Giorgio Moroder, D: Richard Gere, Lauren Hutton) 117m-Krimimelodram (8002)
# Cat People (Katzenmenschen, 1981-USA)
# Mishima: A Life in Four Chapters (Mishima - Ein Leben in vier Kapiteln, 1984-USA) 120m-Biografisches Drama (03-?; 8509)
# Light of Day (Light of Day - Im Lichte des Tages, 1986-USA) 107m-Musikmelodram (03-05; 8702)
# Patty Hearst (Patty, 1987-USA/GB) 108m-Thriller (10-?; 8809)
# Cortesie per gli ospiti / The Comfort of Strangers (Der Trost von Fremden, 1989-I/GB) 105m-Erotikthriller (09-12; 9011)
# Light Sleeper (Light Sleeper, 1991-USA; R+B: PS, K: Edward Lachman, M: Michael Been, D: Willem Dafoe, Susan Sarandon)
# Touch (Touch, 1996-USA) 96m-Satire (03-04; 9702)
# Affliction (Der Gejagte, 1997-USA; R+B: PS, K: Paul Sarossy, M: Michael Brook, D: Nick Nolte, James Coburn, Sissy Spacek & Willem Dafoe) 113m-Familiendrama (Roman von Russell Banks) (02-03; 9812)
# Forever Mine (Forever Mine - Eine verhängnisvolle Liebe, 1999-GB/USA) 115m-Thrillermelodram (03-?)
# Auto Focus (Auto Focus, 2001/02-USA) 105m-Satiredrama (12-33 Tage; 0210)
# Dominion: Prequel to the Exorcist (Dominion: Exorzist - Der Anfang des Bösen, 2002/03-USA) 117m-Horror/Thriller (11-03; 0505)
# The Walker (The Walker, 2006-USA/GB) (0708)
# Adam Resurrected (2007-USA/D) (Roman von Yoram Kaniuk) (0812)
# The Canyons (2012-USA) 99m-Thrillerdrama (07-08; 1308)
# Dying of the Light (Dying of the Light - Jede Minute zählt, 2014-USA) 94m-Thriller (01-03; 1412 > limited release)
# Dog Eat Dog (Dog Eat Dog, 2015-USA) 93m-Thriller (Buch von Edward Bunker, 1995) (10-11; 1611)
BOOKS
> Kevin Jackson [Hg.]: Schrader on Schrader. London: Faber & Faber, 2004 - 336 S.
> George Kouvaros: Paul Schrader. Urbana/Chicago: University of Illinois Press, 2008 - 184 S.
Miguel Ángel Huerta Floriano: Paul Schrader. Madrid: Ediciones AKAL, 2008 - 160 S.
Paul Schrader es uno de los autores más singulares de la generación que se hizo con las riendas del cine estadounidense en la década de los setenta. Educado en una estricta familia calvinista, su aproximación al séptimo arte fue tan tardía como voraz. Tras ejercer como crítico y ensayista, se convirtió en uno de los mejores guionistas contemporáneos, labor en la que sobresalen sus colaboraciones con Martin Scorsese en títulos como "Taxi Driver" o "La última tentación de Cristo". Su obra como director está marcada por la coherencia, las alusiones cinéfilas y un espíritu muy sincero que se percibe en filmes como "American Gigolo", "Mishima" o "Aflicción". Depurado y al mismo tiempo exuberante, obsesionado con temas como la culpa y la redención, su cine es un intento de acceder a lo trascendente mediante un trabajo meticuloso de puesta en escena, que da lugar a uno de los crisoles más sugestivos del cine estadounidense de las últimas décadas.
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